Sechs Memos für die Zukunft digitaler Gestaltung


Sechs große Ideen, die im Figma-Office die Runde machen – aus der Perspektive von Entwicklerinnen, Designer*innen, Analyst*innen, Texter*innen, PMs und vielseitig talentierten Generalist*innen. Hier ein Blick auf das, was uns im Jahr 2025 beschäftigt.
Sechs Memos für die Zukunft digitaler Gestaltung teilen
Artwork von Zoey Kim

1985 skizzierte der italienische Schriftsteller Italo Calvino fünf Eigenschaften, die die Zukunft der Literatur prägen sollten: eine Serie geplanter Vorträge, die er vor seinem Tod nicht mehr halten konnte. Seine Frau Esther betitelte die posthume Sammlung Six Memos for the Next Millennium. Sie wählte bewusst den Begriff „Memo“, ein Wort, das Calvino begeisterte – als treffende Bezeichnung für kurze Botschaften an die Zukunft.
Ein Memo (Kurzform für Memorandum) ist eigentlich eine schriftliche Mitteilung, meist im geschäftlichen Kontext – eine Möglichkeit, Ideen oder Informationen mit Kolleg*innen und Organisationen zu teilen. In der Tech-Welt hat sich das Memo längst zu einem eigenen Genre entwickelt. Manche haben sogar mystischen, kultähnlichen Status erreicht: Man denke an die Erklärung von Bill Gates im Jahr 1983, wonach „Microsoft an die Maus und an Grafiken als unverzichtbar für die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine“ glaubt. Oder an Stewart Butterfields ikonisches Slack-Memo „We don’t sell saddles here“, das argumentierte, dass niemand „eine nächste Generation von Arbeitsplatz-Chat-Plattformen“ sucht, sondern dass es darum geht, weniger E-Mails zu lesen.
Memos können auch skurril sein, wie die ikonischen Memos der ehemaligen Vogue-Chefredakteurin Diana Vreeland mit verspielten Themen wie „Die Haare mit einem Bügeleisen bügeln“. Und im Text dann: „Was ist aus dieser reizvollen Idee geworden? Wir haben lange nichts mehr davon gehört.“
Memos können Chancen oder strategische Schwächen aufzeigen, als Metaphern dienen (siehe Brad Garlinghouses „Peanut Butter Manifesto“, das Yahoos ineffiziente Ressourcennutzung mit zu dünn verstrichenem Erdnussbutterbrot verglich), oder dokumentieren, wie sich Gedanken im Laufe der Zeit entwickeln (siehe Garlinghouses Reflexion über dieses Manifest 11 Jahre später).
Bei Figma schreiben viele von uns täglich Memos, oft ohne sie als solche wahrzunehmen. Sie tauchen in Slack-Threads, geteilten Dokumenten oder spontanen Notizen auf. Mal geht es um ein bestimmtes Gefühl, mal um eine kritische Betrachtung der Produktstrategie oder um ein bemerkenswertes Branchentrend. Im Kern sind diese Mitteilungen ein Zeugnis für das Handwerk; für die zutiefst menschliche Neigung, Notiz zu nehmen und zu reflektieren, einen Dialog zu fördern oder Veränderungen anzustoßen. Es ist kein Wunder, dass das Memo nach wie vor eine unserer beliebtesten Kommunikationsformen am Arbeitsplatz ist. Und wer freut sich schließlich nicht über eine provokante Meinung?
Wir haben sechs Teammitglieder aus den Bereichen Design, Entwicklung und Community gebeten, genau das zu tun – einige ihrer Gedanken zur Zukunft ihrer Arbeit festzuhalten und genauer zu erläutern. Betrachte diese als sechs Memos für das Jahr 2025. Lies sie, und vielleicht schreibst du danach dein eigenes.
Warum Entwickler*innen kreatives Coding wieder für sich entdecken sollten
Developer Advocate Jake Albaugh wirft einen Blick auf die Entwicklung des Webs und stellt fest: Browser haben Design-Tools längst überholt – in Möglichkeiten und Performance. In seiner Reflexion über Jahre des kreativen Codings plädiert er dafür, über Vorlagen hinauszudenken und das Experimentieren mit dem Web neu zu entdecken. Weiterlesen →

Es wird Zeit, unsere Definition von Design zu erweitern
FigJam-Advocate Kaitie Chambers schreibt darüber, wie Tools und Prozesse dazu beitragen können, dass sich alle im Design willkommen fühlen. Auf ihrem eigenen Weg von der Vermarkterin zur Macherin hinterfragt sie traditionelle Vorstellungen davon, wer als Designer*in gilt. Und sie setzt sich für kreative Umgebungen ein, in denen alle sich ermutigt fühlen, beizutragen. Weiterlesen →

Wann die Produkt-Roadmap einen Abstecher braucht
Director of Product Avantika Gomes hinterfragt den Mythos, dass erfolgreiche Produkte nur durch eine kompromisslose Vision entstehen. Anhand von Figmas eigener Entwicklung vom Design-Tool zur Multi-Produkt-Plattform zeigt sie, warum es entscheidend ist, flexibel zu bleiben und die unvorhersehbaren Wege der Produktentwicklung zu akzeptieren. Weiterlesen →

Emotionen sind der neue Wettbewerbsvorteil
In einer Welt voller Apps vertritt Andrew Hogan, Head of Insights, die Ansicht, dass nicht Funktionen, sondern emotionale Resonanz das Außergewöhnliche vom Vergesslichen unterscheidet. Sein Blick auf das Thema, geprägt durch seine Erfahrungen als Elternteil und jahrelange Produktanalysen, macht eine starke Aussage: Nutzer*innen-Gefühle gehören ins Zentrum der Produktentwicklung. Weiterlesen →

Platz schaffen für ein handgemachtes Web
Product Designer Chia Amisola stellt den standardisierten Zustand des heutigen Internets in Frage. Ausgehend von der Arbeit in der Internetkunst weist Chia den Weg zu mehr persönlichen, poetischen digitalen Räumen und erläutert, warum das Erstellen der eigenen Website der erste Schritt sein könnte. Weiterlesen →

Der Aufstieg des Generalist*innen
Story Studio Writer Carly Ayres untersucht, warum es wichtiger ist, verschiedene Perspektiven zu verbinden, als nur eine zu beherrschen. Anstatt zwischen Ultra-Spezialisierung oder breiter Generalisierung zu wählen, argumentiert sie, dass die Zukunft denen gehört, die tiefgehendes Wissen über verschiedene, sich ergänzende Bereiche aufbauen können. Weiterlesen →

Wir sehen diese Perspektiven nicht als endgültige Antworten, sondern als Ausgangspunkt für einen Dialog an. Einige Ideen regen vielleicht Diskussionen an, andere inspirieren neue Arbeitsweisen. Aber genau das macht ein gutes Memo: Es bringt eine Idee in die Welt und lädt andere ein, darauf aufzubauen. Wie siehst du die Zukunft der digitalen Gestaltung? Vielleicht ist es Zeit, dein eigenes Memo zu schreiben.

