Zu Hauptinhalten gehen

Der Aufstieg der Generalist*innen

Sechs runde Symbole, die verschiedene Rollen oder Berufe darstellen, auf einem orangefarbenen Hintergrund. Dazu gehören ein Gärtner mit einer Blume, ein Roboter mit einem Herzen, ein Wissenschaftler mit Reagenzgläsern, ein Kaninchen, das ein Buch liest, eine Person mit Kopfhörern, die einen Laptop benutzt, und eine Eule mit einer Schriftrolle.Sechs runde Symbole, die verschiedene Rollen oder Berufe darstellen, auf einem orangefarbenen Hintergrund. Dazu gehören ein Gärtner mit einer Blume, ein Roboter mit einem Herzen, ein Wissenschaftler mit Reagenzgläsern, ein Kaninchen, das ein Buch liest, eine Person mit Kopfhörern, die einen Laptop benutzt, und eine Eule mit einer Schriftrolle.

Während KI immer spezialisiertere Aufgaben mit beeindruckender Präzision übernimmt, wird die Fähigkeit, Verbindungen zwischen verschiedenen Bereichen zu schaffen, immer wertvoller.

Der Aufstieg der Generalist*innen teilen

Hero-Illustration von Zoey Kim

Ein Jahrzehnt lang habe ich am Rand verschiedener Disziplinen gearbeitet – nicht ganz als Texterin, nicht ganz als Designerin, nicht ganz als Strategin. In der Startup-Welt war das nichts Ungewöhnliches. Dort brauchte man Leute, die schnell zwischen Growth-Experimenten und UX-Texten wechseln konnten, oder von der User-Onboarding-Optimierung direkt ins Brainstorming für eine Marketingkampagne sprangen. Als Texterin mit Design-Hintergrund konnte ich feine Nuancen erkennen, die Produkte einzigartig machten – sei es durch präzise formulierte Inhalte oder durchdachte Details der Benutzeroberfläche. Doch wenn ich das Freund*innen aus größeren Unternehmen erklärte, sah ich oft nur leere Blicke. „Ich mache ein bisschen von allem“ erweckt in traditionellen Unternehmensumgebungen nicht gerade Vertrauen.

Heutzutage ändert sich das. Während Startups schon immer auf Generalist*innen angewiesen waren, die mehrere Rollen ausfüllten, erreicht dieser Trend nun auch größere Unternehmen. In Gesprächen mit Kolleg*innen zeigt sich immer häufiger die Erkenntnis: Komplexe Probleme lassen sich selten in eine einzige Disziplin zwängen. Selbst die größten Tech-Unternehmen suchen zunehmend nach Leuten, die Grenzen zwischen traditionellen Rollen überbrücken können. Die „Full-Stack“ Marketing Professionals, die sowohl Brand als auch Performance verstehen. Die Produktmanager*innen, die sich mit Designsystemen auskennen. Die Sales-Leute, die Unternehmen jeder Größe erfolgreich ansprechen können. Diese hybriden Rollen werden wichtiger.

Diese Entwicklung weckt sowohl Begeisterung als auch Unsicherheit. Für viele ist der Reiz offensichtlich: Auf der einen Seite bedeutet ein breiteres Skillset mehr Flexibilität – und damit mehr Wachstumsmöglichkeiten über eine jahrzehntelange Karriere hinweg. Wer interdisziplinär arbeitet, entdeckt oft ungeahnte Zusammenhänge und kreative Durchbrüche. Und nicht zuletzt ist es eine Form der beruflichen Absicherung: Wer sich an neue Technologien und Rollen anpassen kann, bleibt langfristig gefragt. Doch für Expert*innen, die Jahre in eine Spezialisierung investiert haben, kann dieser Wandel wie eine Abwertung ihres Fachwissens wirken. Was passiert mit tiefgehender Expertise, wenn plötzlich alle Generalist*innen sein sollen? Was geschieht dann mit dem tiefen Wissen, das sich nur durch langfristigen Fokus auf einen Themenbereich aufbauen lässt?

Es wird immer einen Bedarf an fundiertem Fachwissen geben. Es wird auch notwendig sein, dieses Fachwissen mit ergänzenden Fähigkeiten abzustimmen. Es geht nicht darum, Spezialisierung aufzugeben, sondern die richtigen Kombinationen von Fähigkeiten zu finden. Ein Beispiel: die Rolle der Design Engineers – heiß diskutiert in Design- und Engineering-Kreisen. Kritiker*innen fürchten, dass dieser hybride Job beide Disziplinen verwässert. Befürworter*innen wie Atlassians David Hoang sehen darin dagegen eine Schlüsselrolle für die Produktentwicklung. „Designer Engineers werden in diesem Jahrzehnt die gefragteste Rolle sein“, prognostiziert er.

Meiner Erfahrung nach ist der Wert vielfältig. Eine Person, die sowohl Design als auch Entwicklung versteht, kann eine Idee direkt als funktionierenden Prototyp umsetzen. Sie erkennt nicht nur Potenziale, sondern auch Einschränkungen, die sonst vielleicht übersehen würden. Die Entstehung von Positionen wie „Design Engineer“ zeigt, wie gezieltes (oder ungeplantes) Skill-Building zu einzigartigen Profilen führen kann – für Jobs, die es vielleicht noch gar nicht gibt. Die meisten Design Engineers haben diesen Weg nicht eingeschlagen, weil sie darin eine sichere Karriereoption sahen. Vielmehr folgten sie ihrer Neugier und dem Wunsch, ihre Ideen wirklich umzusetzen – und haben dabei nach und nach genau die Fähigkeiten entwickelt, die ihnen fehlten. Diese Lücken in ihrem Skillset spiegelten oft die Bedürfnisse der gesamten Branche wider.

In den letzten zehn Jahren ist Produktentwicklung zunehmend kollaborativer geworden, und die Grenzen zwischen Design und Engineering sind verschwommen. Viele versierte Designer*innen und Entwickler*innen haben diesen Wandel erkannt – und sich bewusst Wissen aus der jeweils anderen Disziplin angeeignet, um noch effektiver zu werden. Das gilt für ganze Teams: Eine Produktdesignerin, die technische Einschränkungen versteht, kann von Anfang an umsetzbare Lösungen vorschlagen. Ein Werbetexter, der die Implementierung kennt, kann eine kohärente Dokumentation erstellen. Es handelt sich nicht um wahllose Anfänger*innen – sondern um Multispezialist*innen, die tiefes Wissen in komplementären Bereichen mitbringen. Ihre Fähigkeiten schlagen eine Brücke zwischen den Disziplinen.

Während sich online viele über Vercels Stellenausschreibung für Design Engineers austauschten, suchte auch Linear einen „Operations Generalist“, Datadog einen „People Generalist“, IBM verschiedene Software- und 3D-Generalist*innen und Anthropic einen vielseitigen Brand Storyteller. Eine schnelle Suche auf Indeed ergibt über 2.000 Stellenangebote für Generalist*innen.

Einer der ersten Vorreiter einer hybriden Karriere, Künstler und Microsoft VP John Maeda, bringt es auf den Punkt: „Die spannendsten Dinge passieren an den Schnittstellen – Kreativität wächst dort, wo wir ein Feld durch die Linse eines anderen betrachten.“ Während KI immer besser darin wird, spezialisierte Aufgaben zu übernehmen, liegt der menschliche Mehrwert zunehmend darin, verschiedene Domänen miteinander zu verbinden.

Diese Verschiebung hin zur Wertschätzung von Generalist*innen spiegelt einen grundlegenden Wandel in der Softwareentwicklung wider. In einer Allokationswirtschaft, in der Ressourcen und Aufmerksamkeit die wichtigsten Beschränkungen darstellen, ist das Unterscheidungsmerkmal nicht das Fachwissen, das KI replizieren kann. Es ist die Fähigkeit, Fragen zu stellen, die unterschiedliche Perspektiven verbinden und neue Möglichkeiten eröffnen. Es geht darum, Geschmack und Urteilsvermögen zu entwickeln – nicht nur zu wissen, was möglich ist, sondern auch zu erkennen, sondern was sich wirklich zu entwickeln lohnt und warum. Spezialist*innen haben diese Fähigkeit bereits in ihren jeweiligen Bereichen: jahrelange Erfahrung gibt ihnen ein intuitives Gespür für Prioritäten. Die Rolle von Generalist*innen besteht darin, dieses tiefgehende Wissen zu übersetzen und mit anderen Disziplinen zu verknüpfen.

In einer Allokationswirtschaft, in der Ressourcen und Aufmerksamkeit die wichtigsten Einschränkungen sind, ist das Unterscheidungsmerkmal nicht das Spezialwissen, das KI replizieren kann.

Ähnlich wie der perfekte Prompt das Potenzial einer KI entfesseln kann, kann das Wissen, welche Fragen in verschiedenen Bereichen zu stellen sind, unerwartete Lösungen offenbaren. Wie Dan Shipper, Mitbegründer und CEO von Every, es ausdrückt: „In einer Allokationswirtschaft gewinnt nicht die Person, die die exakte Antwort kennt. Sondern die, die weiß, welche Fragen sie überhaupt stellen muss.“

Mein eigener Ansatz ist ein ständiges Experimentieren. Ich habe festgestellt, dass Kaffee-Chats mit Personen aus angrenzenden Bereichen und grundsätzliche Neugier mir helfen, Wissenslücken zu identifizieren. Sobald ich sie sehe, kann ich bewusst entscheiden, ob ich tiefer einsteige – durch Shadowing von Kolleg*innen, gezielte Kurse oder Projekte, die mich fordern. Das Ziel ist nicht, in allem Expert*in zu werden. Sondern genug Verständnis zu entwickeln, um bessere Ergebnisse zu ermöglichen. Diese Fluency wird entscheidend sein, um Produkte zu schaffen, die nicht nur technisch funktionieren, sondern auch sinnvoll gestaltet sind und sich nahtlos in das Leben der Menschen integrieren. Wenn du also zu denjenigen gehören, die sich zwischen den Disziplinen gefangen fühlen, denk dran: Deine breite Perspektive ist keine Schwäche – sie ist eine Stärke. Sie lässt dich das große Ganze sehen – und Lösungen entdecken, die andere übersehen.

Bunte Darstellung einer Person mit Zöpfen, die an einem grünen Tisch sitzt, einen Bleistift in der Hand hält und auf Papier schreibt, umgeben von einer spielerischen Szene. Auf dem Tisch befinden sich eine weiße Katze mit erhobener Pfote und eine schwarze Katze, die liegt. Links befindet sich ein Bild einer leuchtenden Glühbirne, rechts eine Illustration eines Roboters mit funkelnden Augen. Der Hintergrund zeigt lebendige Formen, darunter orangefarbene Blumen und pastellfarbene Kreise, die eine fröhliche und kreative Atmosphäre erzeugen.Bunte Darstellung einer Person mit Zöpfen, die an einem grünen Tisch sitzt, einen Bleistift in der Hand hält und auf Papier schreibt, umgeben von einer spielerischen Szene. Auf dem Tisch befinden sich eine weiße Katze mit erhobener Pfote und eine schwarze Katze, die liegt. Links befindet sich ein Bild einer leuchtenden Glühbirne, rechts eine Illustration eines Roboters mit funkelnden Augen. Der Hintergrund zeigt lebendige Formen, darunter orangefarbene Blumen und pastellfarbene Kreise, die eine fröhliche und kreative Atmosphäre erzeugen.

Sechs große Ideen, die im Figma-Office die Runde machen – aus der Perspektive von Entwickler*innen, Designer*innen, Analyst*innen, Texter*innen, PMs und vielseitig talentierten Generalist*innen. Hier ein Blick auf das, was uns 2025 beschäftigt.

Weiterlesen

Mit Figma kreativ sein und zusammenarbeiten

Kostenlos loslegen