Design Leader Journeys: Ein Interview mit Oliver Pitsch
In unserem exklusiven Interview gewährt Oliver Pitsch, Director UX & Product Marketing bei Trusted Shops, tiefe Einblicke in die jüngsten Veränderungen der Designbranche.
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Im UX-Design gibt es keinen Stillstand. Und angesichts der rasanten Entwicklungen sind versierte Design Leader unverzichtbar. Sie gestalten nicht nur die Produkte, die wir jeden Tag nutzen, sondern auch die strategische Ausrichtung der gesamten Branche. Mit dem technologischen Fortschritt und steigenden Erwartungen der Nutzer*innen stehen diese Führungskräfte an vorderster Front, bewältigen ständig neue Herausforderungen und entwickeln wegweisende Lösungen. In unserem exklusiven Interview gewährt Oliver Pitsch, Director UX & Product Marketing bei Trusted Shops, tiefe Einblicke in die jüngsten Veränderungen der Designbranche.

Wie bist du zum Design gekommen? Erzähl uns von deinen Anfängen in deiner Karriere.

Meine Designkarriere begann in der schillernden Welt der traditionellen Werbung, wo ich alles von Visitenkarten bis zu TV-Spots für globale Marken designte. Schnell wurde mir jedoch klar, dass das klassische Agenturleben nicht meinen kreativen Vorstellungen entsprach, und ich suchte nach digitaleren Möglichkeiten. Meine Begeisterung für digitales Design, insbesondere für Icons und Interfaces, führte mich in die Spieleindustrie. Dort gestaltete ich als leitender Designer die Benutzeroberfläche eines bekannten Browsergames, eine Aufgabe, die ebenso herausfordernd wie erfüllend war.
Nach der Übernahme des Startups wechselte ich in die Freiberuflichkeit mit einem Schwerpunkt auf Interface- und Icon-Design. Ich genoss die kreative Freiheit und Projektvielfalt. Während dieser Zeit traf ich meinen zukünftigen Geschäftspartner und wir gründeten gemeinsam ein Unternehmen im Bereich Online-Reputationsmanagement. In dieser multifunktionalen Rolle, zuständig für Design, Produktentwicklung und Tagesgeschäft, schärfte ich nicht nur meine Designfähigkeiten, sondern auch meine Kompetenzen in Führung und strategischem Management.
Wenn du dich auf die Bedürfnisse des Teams konzentrierst und eine förderliche Umgebung schaffst, steigt sowohl der Zusammenhalt im Team als auch die Qualität der Arbeit.

State of the Designer
State of the Designer - Eine Figma-Studie. Finde heraus, wie sich der Beruf des Designers in den letzten Jahren verändert hat.

Wie verlief dein Weg zu einer Führungsposition im Design? War sie schon immer dein Ziel?

Zu Beginn meiner Karriere strebte ich nicht bewusst eine Führungsposition an. Doch die Gründung meines Startups zog mich ganz natürlich ins Management und in Führungsrollen. Überraschenderweise konnte ich mich sehr dafür begeistern, ein Team von Grund auf aufzubauen, Talente zu fördern und ihr berufliches Wachstum zu begleiten, was sowohl meine berufliche als auch persönliche Entwicklung stark prägte.
Nach dem Verkauf meines Unternehmens und einer Rückkehr in eine Festanstellung konzentrierte ich mich darauf, UX-Kompetenzen in Unternehmen zu stärken, indem ich exzellente UX-Praktiken in agile, interdisziplinäre Teams integrierte.
Heute leite ich mit Begeisterung drei Teams in den Bereichen Design, Content und Produkt-Marketing. In enger Zusammenarbeit mit Kolleg*innen aus Produktmanagement und Engineering treiben wir strategische Projekte voran, die unser Unternehmen formen. Diese Führungsposition passt perfekt zu mir, obwohl ich das anfangs nicht erwartet hatte.

Wenn du die Zeit zurückdrehen könntest, welchen Karriere-Tipp würdest du dir ganz am Anfang deiner Karriere geben?

Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich meinem jüngeren Ich zwei entscheidende Karrieretipps geben. Erstens: Wähle immer die Option, die mehr Spaß und persönliche Erfüllung bringt, statt nur mehr Geld. Diese Herangehensweise hat mir nicht nur langfristig finanzielle Vorteile gebracht, sondern auch dafür gesorgt, dass meine Karriere zu meinen Leidenschaften und Interessen passt.
Der zweite wichtige Ratschlag kam von einem großartigen Business-Coach: Begegne Feedback stets mit einem offenen Geist. Feedback ist wie Blätter, die auf einem Bach treiben. Jedes trägt potenzielle Einsichten und Perspektiven. Ich kann entscheiden, welche Blätter ich herausfische und genauer betrachte und welche ich vorbeiziehen lasse. Diese Metapher ermutigte mich, Feedback selektiver anzunehmen. Nicht alle Rückmeldungen sind relevant oder hilfreich, aber für meine Entwicklung ist es wichtig, unterschiedliche Perspektiven zu erwägen.


Der Business-Leitfaden zum Thema Design
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Welchen Rat würdest du jemandem geben, der eine Führungsposition anstrebt?

Wenn du eine Führungsposition anstrebst, würde ich dir das Prinzip „Give, give, give, ask“ ans Herz legen. Das nutze ich als Leitprinzip in meiner Arbeit mit Kolleg*innen und meinem Team. Es bedeutet: Konzentriere dich zuerst auf die Unterstützung, die Bereitstellung von Ressourcen und die Ermutigung deiner Teammitglieder, damit sie in ihren Rollen glänzen können. Erst dann kannst du Anforderungen an sie stellen. Wenn du dich auf die Bedürfnisse des Teams konzentrierst und eine förderliche Umgebung schaffst, steigt sowohl der Zusammenhalt im Team als auch die Qualität der Arbeit. Dieser Ansatz schafft eine Kultur der gegenseitigen Hilfe und des Respekts und zeigt, dass das Unterstützen anderer der Schlüssel zum gemeinsamen Erfolg ist.

Wie hat sich die Rolle von Designer*innen in den letzten fünf Jahren verändert?

In den letzten fünf Jahren hat sich die Rolle der Designer*innen deutlich erweitert. Sie sind nun nicht mehr nur auf Ästhetik und Usability fokussiert, sondern sind tief in den gesamten Produktlebenszyklus involviert – von den frühen Phasen der Product-Discovery und User Research, über das Erstellen von High-Fidelity-Designs und Prototypen bis hin zu einem gründlichen Verständnis der Produktentwicklungsprozesse.
Designer*innen sind tief in die Kollaboration eingebunden und arbeiten in der Phase der Produktlieferung effektiv mit Entwickler*innen zusammen, indem sie Lücken zwischen Konzept und Implementierung überbrücken. Diese Entwicklung in den Fähigkeiten der Designer*innen zeigt einen ganzheitlichen Ansatz in Produktdesign und -entwicklung und unterstreicht die Bedeutung von Vielseitigkeit und interdisziplinärer Zusammenarbeit für den Erfolg digitaler Produkte.

Wie haben sich die Beziehungen zwischen Designer*innen und anderen Geschäftsbereichen entwickelt, wie zum Beispiel Produktmanagement, Marketing oder Entwicklung?

Figma hat 200 Frontend-Entwickler*innen gefragt, wie sie am liebsten mit Designer*innen zusammenarbeiten. Hier findest du ihre Antworten.

Wir können eine deutliche Auflösung der Silos beobachten, die Designer*innen früher von Entwicklerteams und anderen Geschäftsbereichen trennten. Diese Integration hat einen kooperativeren und einheitlicheren Ansatz in der Produktentwicklung gefördert. Es ist nun wichtiger, dass Designer*innen ein gründliches Verständnis des Entwicklungsprozesses haben, was die Zusammenarbeit erleichtert und sicherstellt, dass Teams effektiver zusammenarbeiten, um bessere Produkte zu entwickeln. Dieser interdisziplinäre Ansatz zeigt die veränderte Arbeitsweise zwischen Design und Entwicklung und unterstreicht die Bedeutung von Fachleuten, die beide Bereiche nahtlos navigieren können.

Wie hat sich der Einfluss von Design auf das Geschäftsergebnis in deinem Unternehmen in den letzten 5 Jahren verändert?

Vor sechs Jahren, als ich bei Trusted Shops begann, war Design auffällig abwesend von den strategischen Diskussionen auf Managementebene. Diese Dynamik hat sich jedoch signifikant verschoben, was zu einer größeren Annahme der designgetriebenen Entwicklung in der gesamten Organisation geführt hat.
Neben dieser gestiegenen Akzeptanz erwarten wir nun auch, dass Design mit den Geschäftszielen übereinstimmt. Der Fokus liegt nicht mehr ausschließlich auf den Nutzer*innen, obwohl dieser Aspekt nach wie vor sehr wichtig ist. In einem gewinnorientierten Kontext reicht er allein jedoch nicht aus. Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit für jeden Designer, jede Designerin und Content-Person, zu verstehen, wie ihre Arbeit die übergeordneten Geschäftsziele beeinflusst. Dieses Verständnis steigert nicht nur die Relevanz von Design innerhalb des Unternehmens, sondern stellt auch sicher, dass unsere Anstrengungen maßgeblich zum Erfolg der Organisation beitragen.

Total Economic Impact von Figma und FigJam
In der Forrester-Studie „Total Economic Impact“ geht es darum, wie Teams Figma und FigJam einsetzen, um Arbeitsprozesse zu optimieren, das Nutzer-Engagement zu steigern und noch bessere Produkte zu entwickeln.

Wie misst du den Erfolg des Design-Teams in deinem Unternehmen?

Die Bestimmung des genauen Einflusses von Design auf den gesamten Produktentwicklungsprozess ist komplex und beschäftigt mich seit Jahren. Da Design ein wichtiger Bestandteil eines viel größeren Systems ist, lassen sich Erfolgskennzahlen nur schwer isolieren. Außerdem werden – durchaus wertvolle – Indikatoren wie die Kundenzufriedenheit von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst, die über das Design und die User Experience hinausgehen.
Angesichts dieser Herausforderungen messen wir die Kundenzufriedenheit als kollektiven KPI über verschiedene Disziplinen hinweg. Dieser Ansatz ermöglicht es uns, die vielfältigen Einflussfaktoren zur Gesamtzufriedenheit anzuerkennen. Zusätzlich haben wir spezifische Kennzahlen für den Designprozess eingeführt, wie etwa die durchschnittliche Dauer der Discovery-Phase. Dieser duale Ansatz hilft uns, die Leistung des Designteams detaillierter zu bewerten und unseren Einfluss besser zu verstehen.
Unser Ansatz zur Messung des Einflusses von Design ist ein fortlaufender Prozess der Verfeinerung und des Lernens. Wir sind uns aber auch bewusst, dass wir immer noch bessere Möglichkeiten entwickeln müssen, um unsere Beiträge im Rahmen der Produktentwicklung zu verstehen und zu quantifizieren. Die Reise hier geht also ganz bestimmt noch weiter.

Welche Veränderungen erwartest du in den kommenden Jahren?

Mit der schnellen Entwicklung von Tools wie Figma rechne ich in den kommenden Jahren mit einer grundlegenden Veränderung der Rolle der Designer*innen. Die Fortschritte bei diesen Tools automatisieren Aufgaben, die zuvor erhebliche Zeit und Mühe erforderten, wie beispielsweise das Ändern eines Designs vom Light- auf den Dark-Mode mithilfe von Variablen. Diese Automatisierung macht hochwertiges, effizientes Design zugänglicher und könnte bald viele Designaufgaben zu Kleinigkeiten machen.
In Zukunft werden sich Designer*innen wahrscheinlich weniger auf manuelle Designaufgaben konzentrieren und mehr darauf, die Bedürfnisse und Ziele ihrer Kundschaft zu verstehen. Dieses vertiefte Verständnis ermöglicht es ihnen, die nächste Generation von Designtools effektiver zu nutzen und sicherzustellen, dass diese Tools optimale Lösungen bieten.
Designer*innen werden künftig vermehrt KI-Tools und datengestützte Erkenntnisse nutzen, um Entscheidungen zu treffen und Innovationen voranzutreiben. Das ist ein signifikanter Wandel in unserer Herangehensweise an Design und Entwicklung.

Wie wird KI die Rolle der Designer*innen beeinflussen?

Die jüngsten Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz sind geradezu revolutionär. Vor allem Tools wie GitHub Copilot übernehmen einen großen Teil der Programmieraufgaben für Entwickler*innen. Dieser Trend wird sich auch auf die Designbranche auswirken. In naher Zukunft wird das Fundament für gutes Produktdesign auf robusten Designsystemen und KI basieren, die Designziele verstehen und umsetzen können. Dies transformiert Designer*innen von praktischen Gestalter*innen zu strategischen Berater*innen, die Richtungen vorgeben, statt Details zu entwerfen.
Zudem wird die Entwicklung von „synthetischen Nutzer*innen“ – virtuellen Personas, die Nutzergruppen repräsentieren – User Research und Produktentdeckung transformieren. Diese Technologien ermöglichen es, Auswirkungen und Erfolge von Features und Produkten präzise zu simulieren und vorherzusagen. Designer*innen werden künftig vermehrt KI-Tools und datengestützte Erkenntnisse nutzen, um Entscheidungen zu treffen und Innovationen voranzutreiben. Das ist ein signifikanter Wandel in unserer Herangehensweise an Design und Entwicklung.

In diesem Blogbeitrag erfährst du mehr über die Auswirkungen von KI auf Design und Entwicklung in Unternehmen.



