
Was denken Designer*innen, Entwickler*innen und Führungskräfte wirklich über die Versprechen der KI? Mit unserer neuesten Umfrage wollen wir genau das herausfinden.
KI + Design: Figma-Nutzer*innen verraten, was auf uns zukommt teilen
Die Entwicklungen der generativen KI wurden bereits mit der Erfindung des Internets, des elektrischen Stroms und sogar dem Feuer verglichen. Das zeigt enorme Erwartungen an diese Technologie. Und trotzdem berichten viele Teams, die an KI-basierten Produkten und Funktionen arbeiten, dass ihre Neuerungen noch keine bahnbrechenden Fortschritte erzielen. Ein Grund hierfür könnte sein, dass Entwickler*innen die Technologie zwar vorantreiben, es aber an den Designer*innen liegt, sie in intuitive und nützliche Anwendungen umzusetzen.
Mit anderen Worten: Das Ausmaß des transformativen Potenzials der KI könnte letztlich von ihrem Design abhängen.
Unsere Methodik
Im Zeitraum vom 26. Februar bis zum 3. März 2024 hat Figma über 1.800 Nutzer*innen befragt. Die Gruppe setzte sich aus Designer*innen, Führungskräften und Entwickler*innen zusammen und stammte aus sieben Ländern: den USA, Kanada, Australien, Großbritannien, Japan, Frankreich und Deutschland.
Die Ergebnisse unserer Umfrage unter 1.800 Figma-Nutzer*innen aus sieben Ländern deuten darauf hin, dass generative KI einem ähnlichen Entwicklungspfad folgen könnte wie zuvor Smartphones, das Internet und persönliche Computer: Mit der Einführung neuer Schlüsseltechnologien wird viel Arbeit in die Gestaltung intuitiver und alltagstauglicher Anwendungen gesteckt. Genau das ist die Aufgabe des Designs.

Hier findest du ein Gespräch zwischen Zan Gilani von Duolingo und Mia Blume von Designing With AI über die aufkommende KI-Welle und deren Einfluss auf Design.
Große Ziele könnten zu einer „Feature-Müdigkeit“ bei KI führen
Generative KI ist eine Form von künstlicher Intelligenz, die fähig ist, Texte, Bilder oder andere Daten mittels generativer Modelle zu erzeugen, oft auf Basis von Nutzereingaben.
Die Umfrageergebnisse zeigen große Erwartungen an die kurzfristigen Leistungen generativer KI. Achtundachtzig Prozent der Teilnehmenden glauben, dass KI in den nächsten 12 Monaten mindestens einen gewissen Einfluss auf die Produkte und Dienstleistungen ihres Unternehmens haben wird. 37 % erwarten sogar einen „bedeutenden oder transformativen“ Einfluss. Führungskräfte, die Unternehmensentscheidungen treffen, sind sogar noch zuversichtlicher und sehen KI viel eher als „wichtig für die Unternehmensziele“ an.

Doch diese Denkweise birgt auch eigene Risiken. Unsere Umfrage zeigt, dass KI größtenteils noch in der experimentellen Entwicklungsphase steckt, wobei 72 % derjenigen, die KI in Produkte integriert haben, angeben, dass sie eine geringe oder nicht wesentliche Rolle spielt. Vielleicht meinen die meisten Befragten deshalb, es sei zu früh zu sagen, ob KI einen Unterschied macht. Nur ein Drittel der Befragten berichtet von Verbesserungen bei Kennzahlen wie Umsatz, Kosten oder Marktanteil aufgrund von KI, und weniger als ein Drittel ist stolz auf das, was ihre herausgebrachten Produkte.

Die Bedeutung von KI für Produkte
72 % derjenigen, die KI in Produkte integriert haben, sagen, dass sie eine geringe oder nicht wesentliche Rolle spielt.

Die Qualität von KI-Funktionen
Weniger als ein Drittel der Befragten sind stolz auf das, was sie auf den Markt gebracht haben.
Auch die Nutzer*innen sind möglicherweise nicht vollständig überzeugt. Nach Dutzenden von Nutzerinterviews und monatelangen Analysen haben Figma Researcher eine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber „noch so einer KI-Funktion“ festgestellt. Wir nennen das „KI-Feature-Müdigkeit“. Selbst unter denen, die Produkte oder Funktionen mit KI entwickeln, geben mehr als 20 % an, dass das Nichtlösen eines Nutzerbedürfnisses oder -problems eine der größten Herausforderungen darstellt; dies gilt insbesondere für Designer*innen, die an diesen Produkten arbeiten.
Gleichzeitig haben weniger als 50 % der Befragten, die an KI-Produkten und -Funktionen arbeiten, tatsächlich bereits etwas veröffentlicht. Wir können also mit einer Welle neuer KI-Features rechnen, was die Frage aufwirft: Werden all diese Teams und Unternehmen kopfüber in einen KI-müden Markt rennen?
Wird gutes Design KI nützlicher machen?
Laut unserer Umfrage steht es schlecht um die Adoption und Nützlichkeit von KI, wenn Unternehmen einfach nur neue KI-Funktionen in ihre Produkte einbauen und es dabei belassen. Tatsächlich wählte ein Drittel der Umfrageteilnehmer „das kohärente Integrieren von KI-Funktionen in bestehende Produkte“ als eines der größten Anliegen aus einer Liste von elf Herausforderungen. Das zeigt, dass eine echte Verbesserung der Produkt-Erlebnisse mit KI nach wie vor eine Priorität bleibt.
Wie viel KI kommt tatsächlich auf den Markt?
Weniger als 50 % der Befragten, die an KI-Produkten und -Funktionen arbeiten, haben tatsächlich etwas veröffentlicht.
Als ChatGPT im November 2022 abhob, nutzte es bereits zuvor verfügbare Funktionalitäten. Durch eine relativ einfache Verbesserung des Designs der Benutzeroberfläche erreichte OpenAI eine direkte und breite Akzeptanz. Wie der OpenAI Reseacher Jan Leike im MIT Technology Review sagte: „Die gleichen grundlegenden Modelle waren schon fast ein Jahr vor der Veröffentlichung von ChatGPT in der API verfügbar. Wir haben sie sozusagen besser auf das abgestimmt, was Menschen mit ihr machen wollen. [Das Programm] spricht mit dir im Dialog, es ist über eine Chat-Oberfläche leicht zugänglich und es bemüht sich um Hilfsbereitschaft.“ Dass die Integration einer so einfachen Designverbesserung wie dem Chat-Interface eine derart große Wirkung zeigte, deutet auf enormes Potenzial in anderen Anwendungsfällen hin.
Nutzer*innen müssen da abgeholt werden, wo sie sind, und die verfügbaren Tools verstehen… so wie die Anwendungsfälle, von denen sie [durch KI] profitieren können.
Teams, die an KI-Produkten arbeiten, müssen User-Flows und Interaktionen über Text, Bild und Animation genau durchdenken. Dabei helfen Fragen wie: Wie sicher ist das System? Wie würden sich Nutzer*innen fühlen, wenn sie einen bestimmten Vorschlag sehen? Warum könnte eine bestimmte Option hilfreich sein? Mit anderen Worten: Wie wird das Erlebnis designt?

Wie entwickelt man KI-Funktionen, die Menschen helfen und denen sie vertrauen? Produktmanager*innen bei Figma, Duolingo, Asana und LinkedIn teilen ihre Tipps.
Diese Fragen sollten neben Fragen zur KI selbst beantwortet werden. Die größte Herausforderung der Befragten war die Bewertung der Qualität der Ausgaben einer KI, gefolgt von Sicherheits- oder Datenschutzbedenken. Viele Befragte erweiterten ihre Antworten in Kommentaren und sprachen von der steilen Lernkurve, die bei der Arbeit mit neuen Technologien notwendig ist. Wie ein Umfrageteilnehmer es ausdrückte: „Oben auf der Welle zu bleiben ist schwer, wenn du auf einem Tsunami surfst.“
Oben auf der Welle zu bleiben ist schwer, wenn du auf einem Tsunami surfst.
Trotz dieser Fragen zeigen sich Anzeichen dafür, dass Unternehmen mehr Ressourcen in das Design von KI investieren. Dazu gehört auch die Einstellung von Designer*innen, die sich ausschließlich auf KI-Themen konzentrieren. Organisationen wie die New York Times, Walmart und das Wall Street Journal – keine traditionellen Technologieunternehmen – haben Stellenanzeigen für Jobs wie „Senior Design Editor für KI-Initiativen“ und „Senior UX Designer spezialisiert auf KI für die Walmart Developer Platform“ ausgeschrieben.
Wie geht es jetzt weiter?
Viel Hype, hohe Nachfrage und ungleichmäßiger Nutzen: So haben auch mobile Apps angefangen. Jahre später ist der transformative Einfluss deutlich sichtbar. Wenn sich Unternehmen in der Ära der Mobilgeräte unter anderem durch gut designte Produkte und Funktionen von der Konkurrenz abheben konnten, müssen sich die Produktentwickler*innen vielleicht auch jetzt auf die langfristige Perspektive konzentrieren. Der Futurist Roy Amara formulierte es so: „Menschen neigen dazu, den kurzfristigen Einfluss neuer Technologien zu überschätzen, während sie deren langfristige Effekte unterschätzen.“ Nutzerbedürfnisse zu lösen und die Technologie nützlicher zu machen, ist mehr als nur ein Mittel zum Zweck; es ist wahrscheinlich der einzige Weg nach vorn.
Menschen neigen dazu, den kurzfristigen Einfluss neuer Technologien zu überschätzen, während sie deren langfristige Effekte unterschätzen.

Hier findest du ein Gespräch zwischen Zan Gilani von Duolingo und Mia Blume von Designing With AI über die aufkommende KI-Welle und deren Einfluss auf Design.
Hier erscheint bald der zweite Teil unserer Serie, in dem wir die Ergebnisse unserer KI + Design-Umfrage untersuchen.



