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Peter Yangs 10 Regeln für die Entwicklung von Produkten, die Kund*innen lieben

Product Lead Peter Yang erläutert mit Blick auf seine über ein Jahrzehnt lange Karriere, warum es zu den Superkräften von Produktmanager*innen zählt, sich auf ihr Handwerk zu konzentrieren.

Peter Yangs 10 Regeln für die Entwicklung von Produkten, die Kund*innen lieben teilen

Hero-Illustration von Luis Mazón.

Peter Yang hat so ziemlich für jede bekannte Social-Media-Plattform ein Produkt entwickelt. Seine Karriere erstreckt sich über mehr als ein Jahrzehnt und begann mit einem frühen Karriereschwenk vom Produktmarketing zum Produktmanagement während einer dreijährigen Tätigkeit bei Meta. Im Anschluss daran entwickelte er Produkte für Plattformen wie Reddit, Twitch und X (ehemals Twitter). In den vergangenen Jahren teilte Peter seine Meinungen, Einblicke und Erfahrungen in einem beliebten Newsletter mit Zehntausenden Tech-Fachleuten. Auch in den sozialen Medien ist seine Fangemeinde groß. Dort hat er unter anderem Tweets mit Elon Musk ausgetauscht, die Grenzen von KI aufgezeigt und Produktlektionen anhand von Katzen-Memes vermittelt.

Peter teilt hier 10 Tipps zum Handwerk des Produktmanagements – vom persönlichen Wachstum hin zum Einfluss auf gesamte Teams oder Unternehmen – alles mit dem Ziel, Produkte zu entwickeln, die Kund*innen lieben.

1. Ein gutes "Produktgespür" ist nicht intuitiv, es muss erlernt und kultiviert werden

Laut Google Product Leader Jules Walter ist Produktgespür „die Fähigkeit, konsistent neue Produkte zu entwickeln (oder bestehende Produkte zu verändern), die Nutzer*innen begeistern“.

In der Welt des Produktmanagements ist Produktgespür eine der wertvollsten Fähigkeiten. Das Problem dabei ist, dass diese Vorstellung nicht nur vage ist, sondern auch impliziert, dass PMs ihr Produktgespür einmal entwickeln und dann für immer behalten können. Das halte ich für falsch. Der Markt verändert sich ständig. Kundenanforderungen ändern sich ständig. Du musst ein wenig Demut an den Tag legen, um dein Produktgespür durch Empathie, Kreativität und Handwerk fortlaufend zu verstehen und zu verbessern.

2. Nutz deine Empathie, um Probleme zu erkennen

In diesem Podcast erfährst du mehr darüber, wie du Probleme von Kund*innen und Business Stakeholder*innen identifizieren kannst.

Um ein begehrtes Produkt zu entwickeln, musst du dir der Bedürfnisse der Zielgruppe im Klaren sein. Viele überspringen diesen wichtigen Schritt und suchen sofort nach einer Vision oder Lösung. Das bringt dich jedoch nicht weiter. Tony Fadell, ehemaliger Senior Vice President der iPod-Sparte von Apple und Mitbegründer von Nest Lab, sagt: „Die Superkraft eines PMs ist Empathie.“ Du entwickelst Empathie, indem du deine Kund*innen wie Teammitglieder behandelst. Verbringe außerdem einen Tag – oder auch nur eine Stunde – damit, dein Produkt wie ein*e Kund*in zu verwenden.

3. Verliere dich nicht im Alltäglichen, sondern arbeite an großen Ideen

Sobald du Kunden- und Business-Probleme erfasst hast, stürze dich nicht direkt in die praktische Umsetzung. Stattdessen solltest du in größeren Dimensionen denken und die Kreativität deines Teams nutzen, um Mission, Vision und Strategie zu definieren. Organisiere ein Team-Meeting, um die Herausforderungen zu diskutieren und „Blue-Sky“-Ideen zu sammeln, die anschließend bewertet und priorisiert werden können. Erarbeite eine einfache Lösung, die in höchstens drei Schritten die tatsächlichen Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden adressiert. Je mehr du über die Anforderungen der Kundinnen und Kunden lernst, desto mehr Kompromisse wirst du eingehen und eventuell Prioritäten anpassen müssen.

Teamübung „Cathedrals“ von Coda
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Um deine Vision zu gestalten, kannst du diese Vorlage für Visions- und Strategie-Artefakte von Coda verwenden.

4. Erkenne, wann es an der Zeit ist zum abbremsen, Richtung wechseln – oder um ganz den Stecker ziehen

Qualität erfordert manchmal schwierige Kompromisse. Wenn du beispielsweise Qualität priorisierst, verpasst du möglicherweise einen Launch oder eine Zielvorgabe, um eine positive Nutzererfahrung zu liefern.

In einem früheren Unternehmen verfolgten wir die Zielvorgabe (OKR), durch quartalsweise Einführung neuer Funktionen eine bestimmte Metrik zu verbessern. Doch im Dialog mit unseren Kund*innen erkannte ich, dass ein zusätzliches Feature ihre Nutzungserfahrung erheblich verbessern würde. Die Entwicklungszeit war knapp und durch dieses zusätzliche Feature verpassten wir unsere Deadline. OKRs sollen zwar das Geschäft vorantreiben, doch manchmal bedeutet das auch, kurzfristige Ziele zurückzustellen, um langfristig größeren Nutzen zu schaffen. In meinem Fall war genau dieses zusätzliche Feature entscheidend für die Zufriedenheit vieler Kund*innen. Es geht im Kern darum, diesen zusätzlichen Schritt zu wagen und sich – im positiven Sinne – obsessiv den kleinen Details, notwendigen Kompromissen und der Fehlerbeseitigung zu widmen, um letztendlich echten Mehrwert zu schaffen.

Qualität erfordert manchmal schwierige Kompromisse.

Shishir hat auch seine eigenen 10 Regeln für effektive Teammeetings geteilt.

Manchmal ist es das Beste für ein Unternehmen, einen völlig neuen Weg einzuschlagen. Während meiner Zeit bei Reddit trug ich zur Entwicklung von Reddit Talk bei, einem Live-Audio-Angebot, das von Millionen genutzt und geschätzt wurde und lebhaften Community-Austausch förderte. Leider mussten wir das Projekt in einem Konjunkturtief einstellen, weil es die entscheidenden Unternehmensmetriken nicht verbesserte. Ein gewisses Maß an Reife ist erforderlich, um über den Tellerrand hinauszublicken und nicht nur ein Produkt zu entwickeln und zu verbessern, sondern auch das Große Ganze im Auge zu behalten und sich zu fragen: „Ist dies aktuell das Wichtigste, worauf wir uns konzentrieren sollten?“ Aus der Sicht des PSHE-Frameworks von Coda-Mitbegründer und CEO Shishir Mehrotra habe ich eine solide Leistung erbracht, indem ich eine Lösung entwickelte, implementierte und das Kundenbedürfnis nach Gemeinschaft und Live-Erlebnissen erkannte. Allerdings habe ich das zugrundeliegende Geschäftsproblem nicht ausreichend in meine Überlegungen einbezogen.

5. Automatisiere Arbeiten, die die Nutzung von KI behindern

Deine Aufgabe als PM ist es nicht, den perfekten OKR, das interne Dokument oder Produkt-Review-Deck zu entwickeln. Das sind Zwischenschritte. Deine Aufgabe ist es, Kund*innen einen Mehrwert zu liefern und dein Unternehmen zu stärken. Wenn du feststellst, dass du für diese Zwischenschritte genauso viel Zeit aufwendest wie für die Entwicklung des eigentlichen Produkts, ist es an der Zeit, einen Schritt zurückzutreten und dich neu zu orientieren. Denke darüber nach, diese Aufgaben zu delegieren oder sie mit KI zu automatisieren.

Der Einsatz von KI ist für PMs sehr natürlich. Wenn man darüber nachdenkt, ist die tägliche Arbeit von PMs wie Prompt Engineering. Sie kommunizieren auf eine Art und Weise, die andere Menschen oder Teams befähigt.

KI ist zwar nicht gut im Entwickeln origineller Ideen, kann Dinge dafür aber hervorragend synthetisieren und zusammenfassen. Ich verwende FigJam AI gerne, um Brainstormings zu organisieren und Jargon zu entfernen. Ich setze KI auch ein, um die vielen Rückmeldungen von Kund*innen zusammenzufassen und Dokumente mit Produktanforderungen oder Strategiedokumente klarer und prägnanter zu gestalten.

Vorlage für Dokument mit Produktanforderungen
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Mit dieser FigJam-Vorlage kannst du schnell ein Dokument mit Produktanforderungen erstellen.

6. Übernimm angesichts des Fachkräftemangels mehrere Rollen

KI macht Entwickler*innen produktiver. Diese werden auch infolge der schwierigen Wirtschaftslage in der Technologiebranche aktuell auf dem Arbeitsmarkt gegenüber Manager*innen vorgezogen. Produktmanager*innen müssen Prototypen entwickeln und Produkte zum Leben erwecken können. Lerne, funktionsübergreifend zu arbeiten und zum flexiblen Allrounder zu werden. Gefragt sind heute PMs, die auch Texte schreiben, designen, programmieren und entwickeln können, um das Wachstum voranzutreiben. Ich habe mich als nicht-technischer PM etwa damit befasst, mit KI eine App zu entwickeln.

Da kleinere Teams Entscheidungen erheblich schneller treffen können als große Organisationen, sollten Unternehmen effiziente Produktmanager*innen fördern, die ohne Team und den damit verbundenen Managementaufwand erstklassige Produkte liefern können. Auf der Entwicklerseite sind es die technischen Architekt*innen und Direktor*innen, die keine direkt unterstellten Mitarbeiter*innen haben. PM-Rollen, die sich auf das Managen von Produkten statt großer Teams konzentrieren, gewinnen definitiv an Bedeutung. Der Trend geht hin zu kleinen Teams.

7. Kenn die Schattenseiten der Superkraft

Der Vice President of Product von Meta Nikhyl Singhal sagt: „Jede Superkraft hat auch eine Schwäche, die es zu überwinden gilt, um deine Karriere voranzubringen.“ Guten Storytellern fällt es mitunter schwer, ins Detail zu gehen, während Unternehmer*innen vielleicht nicht gut darin sind, Aufgaben zu delegieren. Diese Schwächen sind Schattenseiten. Wenn du nichts gegen sie übernimmst, können sie deine Karriere behindern. Mir ist es zum Beispiel wichtig, hochwertige Produkte zu entwickeln und Dinge zu erledigen. Manchmal gehe ich dabei jedoch für andere zu schnell vor.

Es stellt eine Herausforderung dar, Schattenseiten dauerhaft zu beseitigen, denn sie sind eher wie ein Charakterzug. Ohne sie hast du auch deine Superkraft nicht mehr. Um diese anzugehen, musst du den Willen zur Veränderung haben und die Demut, um Feedback zu bitten und dafür offen zu sein. Du kannst beispielsweise eine starke Position einnehmen und gleichzeitig deinem Team vermitteln, dass du offen dafür bist, deine Meinung zu ändern: „Ich kann mich auch irren. Sprecht mit mir, wenn ihr Zweifel habt.“ Wenn du deine Schattenseiten offenlegst, ermutigt dies deine Kolleg*innen dazu, dir die Wahrheit zu sagen, anstatt Feedback hinter deinem Rücken oder deinem Chef mitzuteilen.

8. Mach Kund*innen zum Teil deines Teams

Die beste Methode, um Empathie für deine Kund*innen zu entwickeln, ist es, sie als Teammitglieder zu betrachten. Rekrutiere ein paar Dutzend Kund*innen, eine Mischung aus Anfängern, Fortgeschrittenen und Profis, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Dabei sollte es sich um Early Adopters deiner Produkte und Features handeln, die dir leidenschaftliches Feedback geben und schließlich zu Befürworter*innen werden und andere Kund*innen informieren.

Nach der Rekrutierung deiner Kund*innen, komm mit diesem Leitfaden für die gemeinsame Produktentwicklung ins Gespräch:

Vernetzen. Kündige dein Produkt frühzeitig an und lade Kund*innen zur Teilnahme an einer Online-Community (z. B. Slack oder Discord) ein. Bitte sie, sich vorzustellen, und baue Vertrauen auf.

Öffentlich entwickeln. Befrage Kund*innen zu ihren Problemen und teile Produktideen und -designs frühzeitig und häufig. Stelle ihnen Produktdemos bereit und veranschauliche, wie du anhand ihres Feedbacks Anpassungen an deiner Roadmap vornimmst.

Eine ungezwungene Umgebung schaffen. Mach es deinen Kund*innen leicht, über alles zu sprechen. So kannst du neue Probleme am besten aufdecken und dich in die Lage der Kund*innen versetzen.

9. Triff bessere Entscheidungen mit einem asychronen Entscheidungsdokument

Deine Arbeitszeit kannst du am besten schützen, indem du lernst, gute Entscheidungen asynchron zu treffen. Damit kannst du deinem Team endlose Meetings ersparen und sie werden es dir danken. Schließlich hat niemand als Kind davon geträumt, den ganzen Tag in Zoom-Meetings zu verbringen. Ich gehe dabei wie folgt vor:

Wichtige Personen identifizieren. Idealerweise eine*n Entscheidungsträger*in und mehrere Stakeholder*innen.

Ein Entscheidungsdokument für die Kommunikation erstellen. Halte die gesamte Kommunikation in diesem Dokument oder einem entsprechenden Slack-Channel fest und erwähne relevante Personen.

Entscheidungsdokument
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Mit dieser Vorlage für ein Entscheidungsdokument kannst du durch asynchrones Arbeiten zu besseren Entscheidungen gelangen.

Kontext festlegen. Beschreibe auf weniger als zwei Seiten die Entscheidung, die von dir empfohlene Option und etwaige Abwägungen mit anderen Optionen.

Nummerierte Listen für Diskussionen verwenden. Personen können sich auf Zahlen beziehen, um Punkte zu nennen, z. B. „Ich mag Option drei wegen XYZ.“

Auf eine Entscheidung drängen und sie weitgehend teilen. Schreib beispielsweise: „Die Mehrheit scheint Nummer eins zu bevorzugen. Gibt es Einwände dagegen, fortzufahren?“

Meetings nach Bedarf abhalten. Wenn eine Entscheidung nicht eindeutig ist, schwer rückgängig zu machen ist oder die Diskussion feststeckt, ist ein Meeting erforderlich.

10. Vergiss nicht, warum du diesen Job gewählt hat

In vielen meiner Artikel und Interviews geht es darum, warum sich ein Großteil der PMs für einen Job in der Technikbranche entschieden hat, nämlich um wirklich großartige Erfahrungen zu schaffen, die die Kundenerwartungen übertreffen. Dieser Fokus lässt sich jedoch leicht verlieren. Viele PMs sehen sich mit konkurrierenden Anforderungen konfrontiert, wie die Erwartungen von Stakeholder*innen und OKRs, die manchmal die Freude am Schaffen sinnvoller Produkte überschatten können. Nicht jede Person ist dafür geeignet, ein Produktteam mit 200 Mitarbeiter*innen zu managen oder die Karriereleiter zu erklimmen. Wie viele PMs bin ich in die Technologiebranche gegangen, um Produkte zu entwickeln, die die Kund*innen lieben. Das möchte ich nie aus den Augen verlieren.

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