KI: Das nächste Kapitel im Design

KI ist mehr als ein Produkt, sie ist eine Plattform, die verändern wird, wie und was wir gestalten – und wer daran mitwirkt.
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Hero-Illustration von Mathieu Labrecque.
Ich war schon immer erstaunt über die Dinge, die Menschen in Figma erschaffen haben: Multiplayer-Spiele, digitale Städte – und eine gewitzte Mittelschülerin namens Maddie hat in FigJam fachmännisch begründet, warum ihre Eltern ihr einen Hasen kaufen sollten. Aber hin und wieder kommt jemand daher und entwickelt etwas, das dich wirklich umhaut. So geschehen bei Jordan Singer.
Vor drei Jahren tweetete Jordan ein kurzes Video über ein Plug-in, das er für Figma entwickelt hatte und das GPT-3 nutzte, um mit einer einfachen Eingabeaufforderung Designideen zu generieren. Er nannte es „Designer“, und versetzte #DesignTwitter in Furore. Zwei Jahre später gründete er Diagram, das als eines der vielversprechendsten Start-ups an der Schnittstelle von Design und KI gilt.
Ich freue mich, heute mitteilen zu können, dass Figma Diagram übernommen hat. Wir freuen uns sehr, Jordan, Siddarth, Andrew, Marco und Vincent offiziell im Figma-Team willkommen zu heißen.
Wir verfolgen die Arbeit von Jordan und dem Diagram-Team schon seit einiger Zeit aufmerksam, denn KI ist etwas, auf das sich Figma schon seit einiger Zeit konzentriert. Sie hat das Potenzial, jeden Teil des Produktentwicklungsprozesses zu verändern. Im letzten Jahr haben wir ein Team aufgebaut und erweitert, das sich mit maschinellem Lernen beschäftigt, und die Investitionen in die Frühphase der Entwicklung der KI-Plattform von Figma beschleunigt. Und das, während die Mitglieder der Figma Community, darunter auch Diagram, unsere offene API genutzt haben, um fast 100 eigene KI-gestützte Plug-ins zu entwickeln.
Wir teilen die Begeisterung unserer Community. In dieser neuen Ära der KI sind die Möglichkeiten endlos, nicht nur für das Design, sondern für den gesamten Produktentwicklungsprozess. Sie wird eine zentrale Rolle bei der Arbeit von Teams in Figma spielen und ihnen helfen, schneller zu einem ersten Entwurf zu gelangen und dann großartige Produkte zu designen und zu entwickeln.
In dieser neuen Ära der KI sind die Möglichkeiten endlos, nicht nur für das Design, sondern für den gesamten Produktentwicklungsprozess.
So untersuchen wir zum Beispiel, wie KI in der Entdeckungsphase dabei helfen kann, mit einer einfachen Eingabeaufforderung erste Ideen zu entwickeln und zusammenzubringen. Oder wie sie helfen kann, in der Designphase schneller voranzukommen, indem sie auf deine bestehenden Entwürfe und Entwurfssysteme zugreift und dir Empfehlungen für Komponenten gibt, auf denen du aufbauen kannst. Und in der Entwicklungsphase suchen wir nach Wegen, wie Entwickler*innen schneller mehr Kontext gewinnen können, um besseren Produktionscode zu erstellen.
Kurz gesagt: KI kann uns dabei helfen mehr zu tun – in jedem Aspekt des Produktentwicklungsprozesses – und das schneller. Sie ist kein Feature, sondern eine Kernfähigkeit. Sie ist mehr als ein Produkt; sie ist eine Plattform, die unsere Arbeit auf die Ebene der Problemlösung heben kann – zweifellos das Kernziel unseres Handwerks und der Grund, warum viele von uns überhaupt mit Design und Produktentwicklung angefangen haben.
KI ist mehr als ein Produkt, sie ist eine Plattform, die unsere Arbeit auf die Ebene der Problemlösung heben kann.
Aber ich verstehe: Es ist schwer, sich anzusehen, wozu KI heutzutage fähig ist, ohne sich zu fragen: „Wenn KI das kann, was bedeutet das alles für mich?“ In solchen Momenten kann es hilfreich sein, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Wenn wir das tun, sehen wir, dass sich Design schon immer mit der Technologie weiterentwickelt hat. Ob es nun der Buchdruck oder das Smartphone war, Innovation hat die Notwendigkeit von durchdachtem Design nie ersetzt.
Designer*innen ist der Wandel nicht fremd. Wir haben uns an neue Plattformen angepasst. Wir sind kollaborativer geworden. Wir haben gelernt, in hybriden Arbeitsumgebungen zu arbeiten. Und bei jeder dieser grundlegenden Veränderungen passen wir uns an, wir lernen und wir gestalten weiter. Das heißt natürlich nicht, dass sich nichts ändern wird: Das wird es – und ich glaube, zum Besseren –, angefangen bei der Art, wie wir designen.
Wie wir designen: Von Pixeln zu Mustern
Als die Designsysteme aufkamen, freuten wir uns alle über die Möglichkeit, weniger Zeit mit den kleinen, eintönigen Dingen wie Eckradien zu verbringen und mehr Zeit für die großen Dinge wie das Einbringen von Geschmack und Regiekonzepten zu haben. Atomare Strukturen** (Pixel) begannen sich zu molekularen Strukturen (Komponenten) zusammenzufügen, was die Arbeitsabläufe beschleunigte und unser Handwerk aufwertete.
** Der Webdesigner Brad Frost hat 2016 in seinem Buch Atomic Design eine atomare Designmethodik für Benutzeroberflächen vorgestellt, die auf Atomen, Molekülen, Organismen, Vorlagen und Seiten basiert. Während unseres letzten Gesprächs betonte Brad, dass „Design zunehmend kuratorisch ist“, eine Idee, die er in seinem Beitrag „Design systems in the time of AI“ erörtert.
Ich vermute sehr, dass KI in noch größerem Umfang das leisten wird, was Designsysteme für Design und Entwicklung geleistet haben. Sie wird es uns ermöglichen, molekulare Strukturen auf höherer Ebene und mit größerem Nutzen zu entwickeln. Anstatt uns auf die Komponenten des Designsystems zu konzentrieren, die einen Anmeldebildschirm ausmachen – das E-Mail-Feld, das Passwort, die Schaltfläche –, werden wir uns neue Möglichkeiten für die Anmeldung ausdenken, die E-Mail, Telefon oder Touch-ID ersetzen könnten.
Kurzum, KI kann uns von Pixeln zu Mustern führen und uns über die digitalen Schnittstellen, die wir heute kennen, hinausbringen, hin zu Erfahrungen, die viel reibungsloser und intuitiver sind – und wohl auch menschlicher.
Was wir gestalten: Neue digitale Erlebnisse
Kommen wir nun zu dem, was wir gestalten und wie es sich ändern wird. Paradoxerweise führt uns aufkommende KI-Technologie wie ChatGPT weg von den Websites und Apps, die den Großteil unserer heutigen digitalen Erfahrungen ausmachen, zurück zu dem, was wir seit den Anfängen von Google tun: Fragen eintippen und Antworten erhalten.
KI kann die Kluft zwischen Absicht und Handlung nahtloser überbrücken. Wenn du heute einen Uber-Fahrdienst zum Flughafen anrufst, musst du dich dafür entscheiden, eine Fahrt zu buchen, die App öffnen, deinen Standort angeben, die Optionen abwägen und ein Auto anfordern, aber der/die Benutzer*in will eigentlich nur sagen: „Bring mich zum JFK“. Als Produktentwickler*innen müssen wir uns fragen: Kann KI ein gleichwertiges – oder vielleicht sogar ein noch besseres – Benutzererlebnis mit weniger Klicks und Entscheidungen bieten?
KI kann die Kluft zwischen Absicht und Aktion nahtloser überbrücken.
Wer wird designen? Die Evolution der Rollen
Einer der wichtigsten Aspekte ist die Frage, wie sich Produktrollen und Zusammenarbeit im Zeitalter der KI verändern. Wir bei Figma glauben, dass sich die Rollen und Arbeitsabläufe derjenigen, die Produktdesign und -entwicklung betreiben, verändern werden. Mehr Menschen werden zu visuellen Gestaltern, und erfahrene Designer*innen werden in der Lage sein, anspruchsvollere Erlebnisse als je zuvor zu schaffen.
Man kann sich das so vorstellen, dass der Design-Raum insgesamt eine Ober- und eine Untergrenze hat: Die Obergrenze legt fest, wie gut ein/e Designer*in sein kann, was durch die verfügbaren Werkzeuge begrenzt wird; die Untergrenze ist das Mindestmaß an Kompetenz, das jemand braucht, um am Design teilzunehmen. Die KI wird diese Obergrenze anheben und zu mehr kreativen Ergebnissen führen, die durch leistungsfähigere Werkzeuge ermöglicht werden; sie wird auch die Untergrenze senken und es für alle einfacher machen, zu gestalten und visuell zusammenzuarbeiten.
Das Endergebnis wird ein gemeinsamer Raum sein – und Menschen in diesen gemeinsamen Design-Raum zu bringen bedeutet, dass wir wirklich am selben Ort arbeiten. Diese Entwicklung ist für Figma ganz natürlich, denn durch die Zusammenarbeit in Echtzeit verschwimmen die Grenzen zwischen den Rollen und die Entwicklung von Produkten wird immer mehr zu einer gemeinsamen Aufgabe.
Wie geht es weiter?
Wie das Internet und zuvor das Smartphone stellt der Aufstieg der KI einen Quantensprung dar, der die Art und Weise, wie wir entwickeln, was wir entwickeln und wer es entwickelt, verändern wird. Wir stehen noch am Anfang. Es gibt noch viele Unbekannte und vieles, was wir noch aufbauen und herausfinden müssen. Das ist aufregend und faszinierend. Es kann aber auch ein wenig … beängstigend sein.
Ich möchte uns alle dazu anregen, mit Neugier, Einfühlungsvermögen und Kreativität dabei zu helfen, diese Technologie zu lenken – anstatt uns von ihr lenken zu lassen. Stellt Fragen, erforscht neue Ideen und vergesst nicht, dass das Kernhandwerk des Designs und der Produktentwicklung dasselbe bleibt: Probleme zu lösen.
Und zur Erinnerung: Wir wollen mitdir öffentlich designen und entwickeln. Wir würden uns über dein Feedback freuen. Was würdest du gerne sehen? Was würde helfen? Sag uns Bescheid!

