Dream Teams führen: Ein Leitfaden für Führungskräfte zur Freisetzung des Team-Potenzials


Als Führungskraft gibst du wichtige Impulse und stellst die Weichen für den Erfolg deines Teams. In dieser dreiteiligen Serie betrachten wir die spezifischen Herausforderungen (und die damit verbundenen Chancen!) für die Führungskräfte von heute, geben Tipps und liefern Lösungsansätze. In diesem Teil werfen wir einen Blick auf effektive Methoden und Tools, mit denen du Teams organisieren und motivieren kannst.
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Hero-Illustration von Lennard Kok.
In der heutigen Arbeitswelt legen Teams zunehmend Wert auf Autonomie: Sie möchten sich eigene Ziele setzen, anspruchsvolle Aufgaben übernehmen und ihre Arbeit zügig und ohne ständige Unterbrechungen erledigen. Wir haben uns mit Personalverantwortlichen bei Uber, Twitch, Shopify, Oura Ring und Work & Co. unterhalten, um herauszufinden, wie sie dafür sorgen, dass ihre Teams zufriedener sind und die Arbeit voranbringen.
Mit wenigen einfachen Prozessen kannst du ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem smarte, talentierte Mitarbeiter*innen aufblühen und motiviert gute Arbeit abliefern. Und das kommt auch dir zugute – dein Erfolg hängt schließlich vom Erfolg deines Teams ab. So sieht es auch Jeremy Forrester, VP of Product bei Twitch, der in unserem Gespräch betonte, welch wichtigen Beitrag (Senior) Manager*innnen leisten müssen.
Setz dir Ziele, dann streich die Hälfte wieder
Du weißt, dass deine Teammitglieder klare Ziele brauchen, um zur Bestform aufzulaufen. Aber wie kannst du sichergehen, dass sie die richtigen Prioritäten setzen?

Überlasse ihnen die Initiative. Jane Lee, Director of Product Operations bei Uber, hält ihre Teammitglieder zu Beginn eines Quartals oder Halbjahres dazu an, ihre Prioritäten festzuhalten. Da ihr Team sehr leistungsorientiert ist, umfassen diese Listen oft 10 bis 15 Punkte. Lee fordert dann ihre Teammitglieder auf, sich auf drei Kernbereiche zu beschränken. So müssen sich alle überlegen, was in welchem Zeitrahmen realistisch ist. Durch den Prozess lenkt Lee die Ziele der Teammitglieder außerdem auf Projekte, die mit den wichtigsten strategischen Initiativen des Unternehmens übereinstimmen. „Wir versuchen, möglichst konkrete Maßnahmen zu definieren und den angestrebten Erfolg messbar zu machen“, erläutert sie. Nachdem die Ziele festgelegt sind, werden diese mit den verantwortlichen Produktmanager*innen und anderen Führungskräften geteilt, damit alle Beteiligten ihre Verantwortlichkeiten kennen und sich abstimmen können.
Mach Meetings unverpassbar
Die Projektteams beim Designunternehmen Work & Co. haben nur ein Meeting pro Tag: Jeden Morgen werden die erledigten Aufgaben besprochen und die nächsten Schritte abgestimmt. Nach diesen Meetings können sich die Mitarbeiter*innen in Ruhe in ihre Aufgaben vertiefen – sei es alleine oder zusammen in geteilten Dateien. „Zu viele Meetings behindern die Teams darin, sich auf ihre Kernaufgaben zu konzentrieren und Dinge zu tun, auf die sie stolz sind“, erklärt Design Partner Casey Sheehan.
Dieser Ansatz ist eine ungewöhnliche Lösung für ein weit verbreitetes Problem: Mitarbeiter*innen brauchen ungestörte Arbeitszeiten – und einige Unternehmen investieren viel, um das möglich zu machen. Gleichzeitig brauchen Teams eine Plattform, über die sie sich vernetzen und gemeinsam Probleme lösen können. Eine klare Abgrenzung zwischen Themen, die in Meetings besprochen werden sollten und solchen, die auch über Slack oder in FigJam abgewickelt werden können, trägt wesentlich dazu bei, dass Teams produktiv und motiviert arbeiten können.
Auch wenn sich Meeting-Marathons manchmal nicht vermeiden lassen, kannst du dafür sorgen, dass sie sinnvoll bleiben und alle Teilnehmenden sich gleichberechtigt einbringen können. Vor der Pandemie fanden Meetings meist persönlich statt. Twitch nutzte damals ein von Amazon entwickeltes und bekannt gemachtes Meeting-Format. Jeremy Forrester, VP of Product bei Twitch, erinnert sich, dass dabei nicht formal festgelegt war, wer wann sprechen durfte und in welcher Reihenfolge Fragen gestellt oder beantwortet wurden. „Es ging wild durcheinander und die lauteren Teilnehmer kamen eher zu Wort“, beschreibt er die Situation.
Twitch hat das Format mittlerweile für eine hybride Arbeitswelt angepasst. Meeting-Teilnehmende bereiten sich nun vor, indem sie ein sechsseitiges Dokument lesen und sich 10–15 Minuten Zeit nehmen, um Fragen und Kommentare zu notieren. Diese werden dann im Meeting besprochen. „Dadurch wird eine gleichberechtigte Teilnahme sichergestellt“, erklärt Forrester. „So bekommen auch diejenigen eine Stimme, die in einem Meeting mit 20 Personen normalerweise zurückhaltender wären.“
Ganz gleich, ob du dich für das sechsseitige Memo, ein FigJam-Stand-up oder ein ganz anderes Format entscheidest: Wenn du den Teilnehmenden ermöglichst, ihre Gedanken in einem Format mitzuteilen, das ihnen liegt, werden Meetings für das gesamte Team wertvoller und effektiver.
Gute Ideen müssen sich lohnen
Deine Aufgabe oder meine? Schwammige Rollen können die Leistungsfähigkeit deines Teams beeinträchtigen und zu schädlichen Konflikten führen. Klare Verantwortlichkeiten sind eine Lösung, doch wenn sie zu kleinteilig formuliert werden, besteht die Gefahr, dass wichtige Aufgaben übersehen werden. Außerdem kann das die Entstehung innovativer Ideen hemmen.
Manbir Sodhia, VP of Growth bei Oura Ring, rät als Antwort auf viele dieser Herausforderungen zum Experimentieren. „Alles kann ein Experiment sein – jede Kampagne und jedes Projekt“, sagt er. „Jede gute Idee beginnt mit einer starken Hypothese. Danach kann man beobachten und bewerten, ob ein Ansatz funktioniert oder ob es besser ist, ihn zu verwerfen und etwas Neues zu versuchen.“

Der Prozess verhindert Verwirrung darüber, wer was macht - neue Ideen zu generieren liegt in der Verantwortung aller - und öffnet den Weg für wichtige Aufgaben, die vielleicht noch gar nicht existieren. „Es erlaubt den Leuten, etwas Neues auszuprobieren“, sagt er und fügt hinzu: „Manchmal ist es okay, jemandem auf die Füße zu treten, solange du dich danach entschuldigst. Wenn du etwas erreichen willst, sollte das Unternehmen dir dabei nicht im Weg stehen.“
Nutze ein Storyboard für Entwicklungsgespräche
Die berufliche Entwicklung verläuft selten linear. Es gibt Höhe- und Tiefpunkte sowie Umwege, und als Führungskraft ist es deine Aufgabe, die Fantasie deiner Mitarbeiter*innen bezüglich der für sie denkbaren Optionen anzuregen. Das gilt insbesondere in Remote-Szenarien, das typische Netzwerken wegfällt – zum Beispiel beim gemeinsamen Feierabendbier oder Zufallsbegegnungen mit dem Chef oder der Chefin in der Cafeteria.

Vorlage für die GAP-Analyse
Mit einer Vorlage für die GAP-Analyse kannst du ermitteln, wo du aktuell stehst, wohin du dich entwickeln möchtest, welche Hindernisse dich davon abhalten und wie du diese überwinden kannst.
Entwickle eine Strategie für die Karriereziele deiner Mitarbeiter*innen am Whiteboard. Jane Lee von Uber nutzt eine GAP-Analyse-Vorlage, um zu bestimmen, wo sich eine Person gerade befindet, wohin sie sich entwickeln möchte, welche Barrieren sie davon abhalten und wie diese Hindernisse überwunden werden können. „Darauf aufbauend entwickeln wir einen Plan für die nächsten sechs bis zwölf Monate“, erklärt Lee. „Wenn es Mitarbeiter*innen schwerfällt, ihre Ziele zu definieren und zu formulieren, arbeiten wir gemeinsam daran und machen Entwicklungsmöglichkeiten transparent. Manchmal äußert jemand den Wunsch, in zwei Jahren COO oder CPO zu sein. In solchen Fällen diskutieren wir die notwendigen Voraussetzungen und Fähigkeiten.“ Durch diese strategische Planung ergibt sich ein klares Bild der beruflichen Zukunftsperspektiven im Unternehmen, und Ziele werden greifbarer. Ein bedeutender Karriereschritt erscheint realisierbarer, wenn die erforderlichen Zwischenschritte deutlich visualisiert werden.
Nicht alles muss sich um Arbeit drehen
Bei der Gründung ihres Softwareunternehmens Super waren Vika Kovalchuk Zamparelli und Lindsay Liu fest entschlossen, die für Start-ups üblichen Schwierigkeiten – Arbeit rund um die Uhr, ohne Rücksicht auf persönliche Bedürfnisse – zu vermeiden. Daher folgten sie dem Ansatz einiger fortschrittlicher Unternehmen in der jüngeren Vergangenheit und führten die Vier-Tage-Woche ein. „Wir wollen für eine ausgewogene Work-Life-Balance sorgen und sind uns bewusst, dass das Leben unserer Angestellten sich nicht nur um die Arbeit dreht,“ erklärt Liu.
Die Vorteile der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben liegen klar auf der Hand. Die Teams sind zufriedener, produktiver und auch vielfältiger, wenn Mitarbeiter*innen nicht rund um die Uhr an die Arbeit denken müssen. Doch es erfordert eine entsprechende Priorisierung sowie koordiniertes Vorgehen seitens der Teamleiter*innen. Anderenfalls besteht die Gefahr, dass Angestellte ausbrennen und das Unternehmen verlassen.
Für Liu und Zamparelli war die Einführung der Vier-Tage-Woche ein entscheidender Schritt, um das gesunde Arbeitsumfeld zu schaffen, das sie sich vorgestellt hatten. Meetings werden nur montags und donnerstags angesetzt, sodass sich die Mitarbeiter*innen dienstags und mittwochs voll und ganz auf ihre Aufgaben konzentrieren können. Durch den Einsatz von cloud-basierten Kollaborationstools können die Teams sich organisieren und effizient arbeiten, egal wann und von wo aus. Diese Umstellung brachte eine überraschende Erkenntnis: Trotz kürzerer Arbeitszeiten kommt das Team schneller voran. „Die Balance zwischen Beruf und Privatleben ist für uns der Schlüssel zur Effizienz“, betont Zamparelli.
Die Balance zwischen Beruf und Privatleben ist für uns der Schlüssel zur Effizienz.
Natürlich ist die Vier-Tage-Woche nicht für jedes Unternehmen geeignet, noch ist sie die einzige Möglichkeit, um einen Ausgleich zu herausfordernder Arbeit zu schaffen. Shopify testete das Modell, stellte jedoch fest, dass es nicht wie erhofft funktionierte. „Der erste Eindruck war positiv, aber dann versuchte mein Team, die Arbeit von fünf Tagen in vier Tagen zu bewältigen. Das erzeugte Zeitdruck und das Gefühl, dass es zu viele Meetings gibt“, berichtet Sebastian Speier, UX Manager bei Shopify. Mittlerweile nutzen ihre komplett remote arbeitenden Teams verschiedene interaktive Aktivitäten in FigJam, wie Schnitzeljagden und wöchentliche Relax-Meetings, um Abwechslung in ihren Arbeitsalltag zu bringen. „Virtuelle soziale Aktivitäten haben sich als gute Alternative herausgestellt“, erklärt Speier. „Sie ermöglichen es, mal an etwas anderes als Arbeit zu denken.“
In dieser dreiteiligen Serie sprechen wir mit Führungskräften und Manager*innen von Shopify, Ironclad, Twitch, Uber und weiteren Unternehmen darüber, wie sie ihre Arbeitsmethoden neu justieren, um mit den großen Veränderungen in der heutigen Arbeitswelt Schritt zu halten. Lies in Teil 1, wie Führungskräfte mit neuen Ansätzen einige der wichtigsten aktuellen Herausforderungen am Arbeitsplatz angehen können.

